Unter der Lupe des Landesrechnungshofs: Tagesklinische Leistungen in Kärnten

veröffentlicht am 19. Juli 2018

Einleitung

Tagesklinische Leistungen haben Vorteile für Patientinnen und Patienten und positive Kosteneffekte. Das Land konnte seine Tagesklinik-Anteile deutlich erhöhen und Kärnten im Bundesländervergleich vom letzten auf den dritten Platz vorreihen. Der Landesrechnungshof empfiehlt die Potenziale in Zukunft noch besser auszuschöpfen. Weiters sollten die Wartezeiten reduziert werden, insbesondere bei Operationen des Grauen Stars.

Pressemitteilung

Tagesklinische Leistungen sollen forciert werden – das schreiben die Strukturpläne Gesundheit und die Zielsteuerungsverträge vor. Der Kärntner Landesrechnungshof hat überprüft, wie diese Vorgaben von 2012 bis 2016 in den Kärntner Fondskrankenanstalten umgesetzt wurden.

In einer Tagesklinik werden Patientinnen und Patienten am selben Tag aufgenommen, operiert und wieder entlassen. Die tagesklinischen Operationen umfassen vor allem planbare Eingriffe mit geringem Risiko. Durch tagesklinische Leistungen werden Kosten gespart, weil der teurere stationäre Bereich entlastet wird. Zugleich ergeben sich Vorteile für Patientinnen und Patienten wie kürzere Krankenhausaufenthalte und die Genesung im gewohnten Umfeld.

„Die bestmögliche medizinische Versorgung der Kärntner Bevölkerung stand bei der Überprüfung der tagesklinischen Leistungserbringung stets im Mittelpunkt“, sagt Landesrechnungshofdirektor Günter Bauer.

Von Platz neun auf drei

Der Zielsteuerungsvertrag des Bundes gab von 2013 bis 2016 acht Leistungsbündel vor, von denen ein bestimmter Anteil tagesklinisch erbracht werden sollte. Bei Fällen mit Grauem Star sollten beispielsweise 70 bis 90 Prozent der Operationen tagesklinisch durchgeführt werden. Kärnten erreichte im Jahr 2016 in sechs von acht Leistungsbündeln die vorgegebenen Planwerte. Damit reihte sich das Land in diesem Jahr im Bundesländervergleich, den der Landesrechnungshof aufgestellt hat, vom letzten auf den dritten Platz vor.

Trotzdem gibt es in den Kärntner Fondskrankenanstalten Verbesserungspotenziale. Der Landesrechnungshof verglich die Tagesklinikanteile der Leistungen, die in Österreich am häufigsten tagesklinisch erbracht wurden, zwischen den Bundesländern. Kärnten lag bei 28 von 50 Leistungen unter dem Durchschnitt. Vor allem in den Bereichen Augenheilkunde, Hals-Nasen-Ohrenheilkunde und Allgemeinchirurgie sieht der Landesrechnungshof großes Optimierungspotenzial für das Land. Laut der KABEG (Landeskrankenanstalten-Betriebsgesellschaft) und dem Kärntner Gesundheitsfonds konnten 2017 viele der vom Landesrechnungshof aufgezeigten Potenziale bereits realisiert werden.

Kooperationen der Krankenhäuser

Um den Anteil tagesklinischer Leistungen weiter zu steigern, sollten die Kärntner Krankenhäuser geplante Kooperationen umsetzen. 2010 wurde am Klinikum die chirurgisch-medizinische Tagesklinik eröffnet, die 2016 bereits über 80 Prozent der tagesklinischen Leistungen des Krankenhauses abdeckte. Das wirkt sich positiv aus durch Kostendämpfungen beim laufenden Betrieb.

„Im Rahmen des Projekts zwischen dem Klinikum Klagenfurt und der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt sollte die Einrichtung einer unfallchirurgischen Tagesklinik bedacht werden“, sagt Direktor Bauer.

2016 wurden in Kärnten insgesamt 14.009 Leistungen tagesklinisch erbracht – 2015 waren es noch 9.594. Am häufigsten tagesklinisch durchgeführt wurde die Operation des Grauen Stars mit 5.566 Eingriffen – insgesamt 91 Prozent aller Operationen in diesem Bereich.

Auf eine Operation des Grauen Stars warteten Patientinnen und Patienten am LKH Villach durchschnittlich neun Monate. Da es in diesem Bereich einen Engpass bei Fachärztinnen und Fachärzten gibt, operieren am LKH Villach seit 2008 ausschließlich Augenchirurgen aus Innsbruck. Rund 87 Prozent der Operationen des Grauen Stars wurden im Jahr 2016 in Kärnten aber am Klinikum Klagenfurt durchgeführt. Damit operierte das Klinikum siebenmal mehr Patientinnen und Patienten mit Grauem Star als das LKH Villach und versorgte aus den Regionen Villach und Spittal an der Drau mehr Personen als das LKH Villach selbst.

Wartezeiten und Reihung

Am Klinikum Klagenfurt warteten Patientinnen und Patienten mit Grauem Star durchschnittlich vier Monate zwischen Zuweisungs- und Operationstermin, am LKH Villach neun Monate. Für die Reihung auf der Warteliste teilt das Klinikum die Patientinnen und Patienten nach der Sehstärke in drei Kategorien ein. Jene mit höchster Dringlichkeit sollen nicht länger als einen Monat auf einen Operationstermin warten.

Am LKH Villach können Patientinnen und Patienten auch bei hoher Dringlichkeit nicht in die bestehende Reihungsliste eingeschoben werden, weil die Kapazitäten begrenzt sind. Deswegen empfiehlt das LKH solchen Patientinnen und Patienten sich an die Augenabteilung des Klinikum Klagenfurt zu wenden und setzt sie parallel auf eine Ersatzreihungsliste, auf die bei einem Ausfall in der regulären Liste zurückgegriffen wird.

Der Landesrechnungshof empfiehlt dem LKH Villach die Reihung der Patientinnen und Patienten verstärkt an der Dringlichkeit zu orientieren und nach dem Vorbild des Klinikum Klagenfurt vorzunehmen. Außerdem sollten die Wartelisten an die Vorgaben der Kärntner Krankenanstaltenordnung angepasst werden. Laut dieser müssen Krankenhäuser ab einer Wartezeit von vier Wochen transparente Wartelisten führen, in denen Sonderklassepatientinnen und Sonderklassenpatienten ersichtlich sind. In den Wartelisten des Klinikum Klagenfurt waren die Sonderklassepatientinnen und Sonderklassepatienten nicht ersichtlich.

„Die KABEG sollte Maßnahmen setzen, um im Sinne der Patientinnen und Patienten die Wartezeiten zu reduzieren“, sagt Direktor Bauer.

Seit 2011 überlegt die KABEG eine Zusammenarbeit zwischen dem Klinikum Klagenfurt und dem LKH Villach im Bereich der Augenheilkunde mit Schwerpunkt auf den Grauen Star. Der Landesrechnungshof empfiehlt eine Entscheidung zu treffen und dabei zu prüfen, Operationen des Grauen Stars mittelfristig am Klinikum Klagenfurt zu zentralisieren. Denn im Masterplan 2030 ist hier eine Augen-Tagesklinik geplant.

Bonus-/Malus-System

Der Kärntner Gesundheitsfonds schaffte finanzielle Anreize für die Kärntner Fondskrankenanstalten, tagesklinische Leistungen auszuweiten. In sieben Bereichen gibt er Zielwerte für tagesklinische Leistungen vor. Das Erreichen oder Nicht-Erreichen dieser Vorgaben ist mit Mehr- oder Mindereinnahmen verbunden.

Das größte Steigerungspotenzial sah der Landesrechnungshof bei den Krankenhäusern Friesach und Spittal an der Drau. Das Krankenhaus Spittal an der Drau konnte die Kärntner Zielquoten nur in zwei von sechs Bereichen erreichen. Das Krankenhaus Friesach machte nur 24 Prozent der Metallentfernungen tagesklinisch, wobei 50 Prozent vorgegeben waren. Laut dem Kärntner Gesundheitsfonds haben aber mittlerweile beide Krankenhäuser Anstrengungen zum Ausbau tagesklinischer Leistungen unternommen.

„Kärnten ist im tagesklinischen Bereich auf dem richtigen Weg, aber es gibt noch viel Potenzial, durch das deutlich mehr Patientinnen und Patienten von den Vorteilen dieser Leistungen profitieren könnten. Außerdem könnte das Land dadurch seine Kosten im Gesundheitsbereich, die laufend in die Höhe steigen, weiter dämpfen“, sagt Direktor Bauer.