Kärntner Landesrechnungshof stellte sich unabhängiger Prüfung

veröffentlicht am 22. September 2026

Einleitung

Der Kärntner Landesrechnungshof (LRH) unterzog sich erstmals in seiner 29-jährigen Geschichte einer freiwilligen unabhängigen Überprüfung (Peer Review). Durchgeführt wurde das Peer Review vom Stadtrechnungshof Wien und dem Sächsischen Rechnungshof. Im Rahmen der Pressekonferenz, die am 22. September 2026 stattfand, übergab das Peer Review-Team dem Kärntner Landesrechnungshof und dem Kärntner Landtag den finalen Bericht.

Pressemitteilung

Umfassende Begutachtung des Kärntner Landesrechnungshofs

Ein Peer Review ist eine unabhängige Organisationsprüfung, die wertvolle Erkenntnisse zur Weiterentwicklung von Arbeitsabläufen und internen Strukturen liefert. Im Rahmen der Prüfung wurden die rechtlichen Rahmenbedingungen, Strategie und Planung, Unabhängigkeit, Personalwirtschaft und Personalausstattung, Prüfungsplanung und Prüfungsdurchführung, Qualitätskontrolle und Qualitätssicherung sowie die Öffentlichkeitsarbeit des LRH begutachtet.

„Wir haben uns ganz bewusst dem Peer Review gestellt. Ziel war es, die Arbeit des Kärntner Landesrechnungshofs auf ihre Qualität und Wirksamkeit prüfen zu lassen. Die Erkenntnisse durch die unvoreingenommene und fachlich fundierte Perspektive des Sächsischen Rechnungshofs und des Stadtrechnungshofs Wien haben unsere Stärken sichtbar gemacht, helfen uns aber auch dabei, uns weiterzuentwickeln“, erklärt LRH-Direktor Günter Bauer.

Kärntner Landesrechnungshof arbeitet nach internationalen Standards

Die Prüfung bestätigt, dass der Kärntner Landesrechnungshof seine Aufgaben auf einem fachlich und organisatorisch hohen Niveau wahrnimmt. Besonders hervorgehoben wurden als zentrale Stärken des LRH unter anderem die klare strategische Ausrichtung, die fachliche Kompetenz und das Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die verantwortungsvolle Leitung, die für die Unabhängigkeit der Organisation einsteht. Weiters wurden die hohe Qualität der Prüfberichte, die umfassenden Qualitätssicherungsmaßnahmen und die professionelle Wahrnehmung des LRH nach außen positiv bewertet.

„Auch der Stadtrechnungshof Wien hat sich bereits einem Peer Review-Prozess unterzogen und dabei wertvolle Erkenntnisse und Impulse für die eigene Arbeit gewonnen. Ich wünsche dem Kärntner Landesrechnungshof, dass er die Empfehlungen aus diesem Prozess ebenso offen und konstruktiv aufnimmt und daraus Nutzen für seine weitere Entwicklung zieht. Denn der Blick von außen eröffnet neue Perspektiven – und diese stärken letztlich die Qualität der externen Finanzkontrolle insgesamt“, so Wiens Stadtrechnungshof-Direktor Werner Sedlak.

Präsident Jens Michel vom Sächsischen Rechnungshof betont: „Der Kärntner Landesrechnungshof verfügt über eine tragfähige Grundlage für eine wirksame Finanzkontrolle. Wir haben eine fachlich sehr gut aufgestellte Finanzkontrolle vorgefunden. Der Landesrechnungshof arbeitet strategisch und effizient. Mit unseren Empfehlungen wollen wir dazu beitragen, bestehende Stärken noch weiter auszubauen und die Organisation gezielt dort weiterzuentwickeln, wo wir Potential sehen. Mit geeigneten Maßnahmen kann die Wirkung der öffentlichen Finanzkontrolle noch gestärkt werden. Aus Sicht des Sächsischen Rechnungshofs sollte der Landesrechnungshof insbesondere zur Stärkung seiner Unabhängigkeit verfassungsrechtliche Regelungen überprüfen lassen. Dies könnte zu einer weiteren Stärkung der Demokratie beitragen, denn eine umfassend unabhängige Finanzkontrolle ist ein noch wesentlicherer Bestandteil einer stabilen Demokratie.“

Empfehlungen als Auftrag zur Weiterentwicklung

Die vom Peer Review-Team ausgesprochenen Empfehlungen sollen nun systematisch analysiert und in konkrete Maßnahmen überführt werden.

„Wir nehmen die Empfehlungen sehr ernst. Für uns ist entscheidend, dass das Peer Review nicht mit der Übergabe des Berichts endet. Wir wollen aus den Erkenntnissen konkrete Verbesserungen ableiten und damit die Qualität und Wirksamkeit unserer Arbeit weiter stärken“, so Direktor Bauer.

Andreas Scherwitzl, der in seiner Funktion als Erster Präsident des Kärntner Landtags ein Exemplar des Peer Review-Berichts entgegennahm, begrüßt die externe Begutachtung des Kärntner Landesrechnungshofs: „Es ist positiv, dass sich der Kärntner Landesrechnungshof als unabhängiges Kontrollorgan selbst einer unabhängigen Prüfung durch andere Rechnungshöfe stellt. Das zeigt den hohen Anspruch an die eigene Arbeit und die Bereitschaft zur kontinuierlichen Weiterentwicklung.“

Peer Review auf europäischer Ebene

Zukünftig sollen Peer Reviews auch eine zentralere Rolle im EURORAI-Kontext einnehmen. EURORAI (European Organisation of Regional External Public Finance Audit Institutions) ist eine Vereinigung regionaler Rechnungshöfe aus Europa. Am Vortag fand das erste Treffen einer neu gegründeten Arbeitsgruppe für Peer Reviews in Klagenfurt am Wörthersee statt, welche der Kärntner Landesrechnungshof leitet. Neben dem Kärntner Landesrechnungshof, dem Stadtrechnungshof Wien und dem Sächsischen Rechnungshof diskutierten auch Vertreter des Slowenischen Rechnungshofs, des Audit Scotland und der EURORAI über die wichtige Rolle von Peer Reviews und wie diese unabhängigen Organisationsprüfungen künftig dazu beitragen können, Rechnungshöfe in ganz Europa bei der Qualitätssicherung und Organisationsentwicklung zu unterstützen.

Pressefotos

Jens Michel (Präsident des Sächsischen Rechnungshofs), Günter Bauer (Direktor des Kärntner Landesrechnungshofs) und Werner Sedlak (Direktor des Stadtrechnungshofs Wien) mit Landtagspräsident Andreas Scherwitzl (von rechts).
Jens Michel (Präsident des Sächsischen Rechnungshofs), Günter Bauer (Direktor des Kärntner Landesrechnungshofs) und Werner Sedlak (Direktor des Stadtrechnungshofs Wien) mit Landtagspräsident Andreas Scherwitzl (von rechts).
Download

Jens Michel (Präsident des Sächsischen Rechnungshofs), Günter Bauer (Direktor des Kärntner Landesrechnungshofs) und Werner Sedlak (Direktor des Stadtrechnungshofs Wien) mit Landtagspräsident Andreas Scherwitzl (von rechts).

© Kärntner Landesrechnungshof